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Den Gott des Lebens würdigen

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn!

Ein geistlicher Impuls von Pfarrerin Schneider zum Sonntag Jubilate (3. Mai 2020) online

Bild: Ingrid Schneider

 

Jubilate - Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

 

Halleluja!

Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht!

Lobet ihn für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!

Halleluja!

(Psalm 150)

 

„Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang. Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt“, so beginnt ein Lied in unserem Gesangbuch. In diesen Wochen nach Ostern kommt es mir immer wieder in den Sinn. Die Natur kleidet sich von Woche zu Woche in ein neues Gewand. Wenn ich das Fenster öffne oder nach draußen gehe, schallt mir das Gezwitscher der Amseln und all der anderen Vögel entgegen. Und zwar nicht nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Nein, den ganzen Tag. So laut wie dieses Jahr habe ich das selten erlebt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass in Zeiten der vorordneten Ruhe die Natur in aller Vielfalt und in großer Klarheit das Schöpferlob singt. Ein unglaubliches Hörerlebnis und Schauspiel, das um uns herum stattfindet.

 

Jubilate - unserem Gott das Loblied singen: Es ist der Charakter des dritten Sonntags nach Ostern. Hierzu heißt es im letzten Vers von Psalm 150: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! (Psalm 150,6) Gott loben, Gott preisen, was kann es Angemesseneres geben, um den Gott des Lebens besser zu würdigen? Denn der Gott unseres Glaubens, der Vater Jesu Christi, ist und bleibt ein Gott des Lebens. Das gilt trotz und bei allem, was wir Menschen auch als bedrückend und bedrängend im Alltag erfahren. Natürlich können wir diese Dinge, die uns belasten ebenso Gott anvertrauen. Nicht umsonst gehört die Klage immer wieder auch zu den Psalmen der Bibel. Doch jeder Klagepsalm bewegt sich weiter und führt letztlich in das Gotteslob hinein.

 

Wie sieht das eigentlich bei uns aus? Im privaten Leben, im Miteinander, in den Gemeinden? Welche Töne stimmen wir da an? Welche Melodien singen wir? Welche Worte wählen wir? Führen unsere Klagen über das, was nicht gut ist, am Ende doch hinaus in das Lob, in die Anerkennung, in die Wertschätzung des Wunderbaren, das uns so einfach geschenkt wird? Oder bleiben wir in der Klage stecken? Vollziehen wir selber den Wechsel der Blickrichtung - weg von dem, was auf uns lastet - hin zu einer tiefen Dankbarkeit für alles, was uns trotz allem an Gutem geschenkt wird? Entfaltet sich darin der Dank an Gott, der als schöpferische Kraft immer neu Leben ermöglicht?

 

Ich empfinde diesen Sonntag immer als Einladung, das Gotteslob verstärkt in den Blick zu nehmen. Kürzlich las ich von einer Frau, die dazu jeden Tag einen kleinen Zettel in eine Dose steckt und diese einen Monat aufhebt. Was auf dem Zettel steht? Eine Begebenheit, eine Kleinigkeit, für die sie dankbar ist an diesem einen Tag. Am Ende des Monats öffnet sie die Erinnerungsdose der Dankbarkeit und lässt ihre Erfahrungen in einen großen Lobpreis Gottes münden. Gotteslob - ganz konkret im Alltag verankert.

 

Ihre Pfarrerin Ingrid Schneider