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In Beziehung sein

Der Herr ist mein Hirte

Geistlicher Impuls von Pfarrerin Schneider zum Sonntag Misericordias Domini, dem "Hirtensonntag" (26. April 2020), online

Bild: Rüdiger Petrat

 

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

(Psalm 23)

 

Dieser Tage traf ich meinen Nachbarn vor der Haustür. Er ist Lehrer an einem Seminar für Lehramtskandidaten. Und auf die Frage wie es ihm gehe, platzte es aus ihm heraus: „Ach, ich würde gerne wieder richtig arbeiten, mit richtigen Menschen vor mir, nicht nur so ein digitales Lernen“. Vermutlich geht es vielen von uns so. Wir sehnen uns nach Kontakt und Begegnung von Mensch zu Mensch. In Beziehung sein halt, und zwar von Angesicht zu Angesicht.

In Beziehung sein - es ist das Thema, das diese Woche im Kirchenjahr prägt. Es ist das Thema, das den Wochenspruch für diese Woche durchwebt. Er steht im Johannesevangelium und nimmt ein Bild auf, das uns aus biblischen Texten nur zu gut vertraut ist. In Johannes 10,11a und 27-28 heißt es: Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Gott als Hirte, Jesus als der gute Hirte - Gottesbilder, die von Fürsorge und Vertrauen reden. Begriffe, welche für die Menschen in biblischen Zeiten verknüpft waren mit vielen konkreten Erfahrungen, die sie mit Hirten machten, mit guten wie mit schlechten gleichermaßen.

Was die guten Hirten auszeichnet: sie fühlen sich nicht nur verantwortlich für die Tiere, die ihnen anvertraut sind. Sie leben in einer Beziehung zu ihnen, kennen die Eigenarten, kennen die Besonderheiten eines jeden einzelnen Tieres. Und die Tiere vertrauen ihnen, wissen um den Klang der Stimme, welche Sicherheit gibt.

Gott als Hirte - ein Gott, der in Beziehung zu uns lebt. Ein Gott, der unsere Eigenarten und Besonderheiten kennt. Ein Gott, der mit uns in Kontakt ist (auch wenn wir ihn nicht personal vor uns sehen) und dem wir wichtig sind. Ich selber finde es immer wieder großartig, dass zu unserem christlichen Glauben diese personale Seite Gottes mit dazu gehört. Dass wir eingeladen sind, auf die Stimme dieses Gottes zu hören und uns mit ihrem Klang vertraut zu machen, neugierig zu sein auf das, was uns da entgegenkommt. Genau damit machen wir deutlich, dass Beziehung niemals eine Einbahnstraße ist und davon lebt, dass wir unsere Herzen für einander öffnen. Heißt letztlich ja auch, sich einzulassen auf den anderen, immer wieder neu und frisch auf das zu achten, was uns begegnet. Sich nicht von vorgefassten Meinungen prägen zu lassen. Wer im Johannesevangelium nachliest wird feststellen, dass Jesus mit seinen Worten vom guten Hirten genau zu diesem frischen Blick und einer Beziehung, die von Vertrauen geprägt ist, einladen will.

Was denken Sie können Sie gewinnen, wenn Sie sich in dieser Weise auf Gott und die Welt einlassen? 

Ihre Pfarrerin Ingrid Schneider